Woran erkenne ich eigentlich...

... eine Libelle?

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)

Libellen findet man häufig an langsam fließenden oder stehenden Gewässern, gelegentlich aber auch in Mooren. Man erkennt sie an ihrem länglich schlanken Körperbau und ihren zwei Flügelpaaren, die mit einem Netz aus zahlreichen Adern gemustert sind oder bei manchen Arten komplett dunkel sein können. Die Vorder- und Hinterflügel können unabhängig voneinander bewegt werden, wodurch Libellen abrupte Richtungswechsel in der Luft ausführen und Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen können. Diese Fähigkeit, zusammen mit den auffällig großen Libellenaugen, kommt diesen räuberischen Insekten zugute, da sie ihre Beute in der Luft fangen. Dabei sind sie wenig wählerisch und stürzen sich auf alles, was sie überwältigen können. Für Menschen sind Libellen komplett harmlos, da sie weder stechen noch giftig sind. Die Wernauer Baggerseen sind ein idealer Lebensraum für Libellen wie die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), eine 5 cm große blaue Libelle und dunklem Flügelfleck.


... eine Heuschrecke?

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)
Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)

Heuschrecken oder "Grashüpfer" erkennt man am besten an ihren typisch langen Hinterbeinen, die Heuschrecken zu relativ weiten Sprüngen verhelfen. Typisch für alle Heuschrecken ist die akustische Kommunikation, bei der das Männchen Klänge erzeugt, um Partnerinnen anzulocken. Und obwohl Heuschrecken oft mit riesigen Schwärmen als Plagen in Verbindung gebracht werden, gilt von den über 1000 in Europa heimischen Heuschreckenarten jede vierte Art als gefährdet. Wissenschaftlich werden die Heuschrecken in Kurzfühlerschrecken, zu denen beispielsweise die Grashüpfer und Wanderheuschrecken gehören, und die Langfühlerschrecken eingeteilt. Wie der Name bereits andeutet, sind die letzten sind durch ihre langen Fühler gekennzeichnet, die mehr als 500 Einzelgliedern bestehen können. In diese Gruppe gehören unter anderem Grillen und das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima), das mit bis zu 4,2 cm unsere größte Heuschreckenart ist und deren Gesang ab Anfang Juni auf naturnahen Wiesen zu hören ist. 


... eine Wanze?

Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)
Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)

Die Wanzen sind eine Insektengruppe mit diversen Ernährungsstrategien: während die meisten Wanzen die zuckerreichen Säfte von Pflanzen saugen, leben andere Wanzen räuberisch, wieder andere, wie die Bettwanze, sogar parasitisch. Wanzen haben keine Beiß- und Kauwerkzeuge, dafür aber einen Rüssel, das sogenannte Rostrum. Meist klappt die Wanze das Rostrum unter dem Körper nach hinten, so dass es von oben nicht zu sehen ist. Die Flügel sind oft schwer zu erkennen: bei den Vorderflügeln besteht der vordere Teil aus einer verhärteten Schicht, die sich farblich oft nicht vom Körper abhebt, während der hintere Teil durchsichtig und häutig ist. Die wohl bekannte Wanze ist die Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus), die gesellig lebt und daher oft in Massen – allerdings nicht als Schädling – auftritt. Eine neue, inzwischen in großer Zahl auftretende Art ist die Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis), die 2006 nach Deutschland eingeschleppt wurde und auf der Suche nach einem warmen Plätzchen auch gerne in Wohnungen eindringt. 


... einen Käfer?

Schwarzblauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus)
Schwarzblauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus)

Mit 386.500 beschriebenen Arten sind die Käfer die größte Insektengruppe auf der Welt. Käfer unterscheiden sich von anderen Insekten optisch stark. Sie weisen nicht die typische Dreiteilung (Kopf-Brust-Hinterleib) auf, denn ein Teil der Brust und der Hinterleib wird bei den meisten Arten von verhärteten Flügeldecken überdeckt. Die Hinterflügel sind unter diesen Flügeldecken gefaltet. Unter den Käfern sind einige Schädlinge wie Borkenkäfer, aber auch Nützlinge wie Marienkäfer bekannt.
Das Insekt des Jahres 2020, der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) ist ein Schmarotzer bei Wildbienen, von deren Pollenvorrat sich die Käferlarve ernährt. Mit dem Verlust des Lebensraums, darunter besonders Heiden, Trockenrasen und Streuobstwiesen ist er inzwischen in Deutschland auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Durch das körpereigene Gift Cantharidin wäre bereits der Verzehr eines einzigen Käfers tödlich für einen erwachsenen Menschen. Der versehentliche Verzehr ist aber überaus unwahrscheinlich, denn Cantharidin schmeckt extrem bitter.


... einen Schmetterling?

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Schwalbenschwanz (Papilio machaon)

Biologisch gehören Schmetterlinge zur Ordnung Lepidoptera, deren Name übersetzt „Schuppenflügler“ bedeutet. Der Name deutet auf die Schuppen hin, die die Flügel dachziegelartig bedecken und den Tagfaltern ihre oft bunte Färbung verleihen. Diese Färbung entsteht entweder durch Pigmente oder durch Lichtbrechungseffekte auf der Oberflächenstrukturen der Schuppen. Nachtfalter, die tags meist auf Baumrinde sitzen, sind oft gut getarnt. Die meisten Schmetterlinge besitzen einen Saugrüssel, mit dem die erwachsenen Insekten den Nektar aus unterschiedlichen Blüten saugen. Die Raupen hingegen sind in ihrer Ernährung oft hochspezialisiert. So findet man beispielsweise die Raupen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon) nur an Doldengewächsen wie Möhre, Fenchel oder Dill. In Baden-Württemberg steht der Schwalbenschwanz auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten, denn seine Bestände nehmen seit Jahren ab. Schmetterlinge unterstützt man im Garten am besten mit heimischen, unbehandelten Blühsträuchern, die Nektar für die erwachsenen Tiere bieten, in Kombination mit geeignetem Raupenfutter wie Hülsenfrüchtlern (Klee, Wicke, Luzerne, Platterbse), Kreuzblütlern (Ackersenf, Raps, Kresse) und Brennnesseln.

 


... einen Zweiflügler (Fliegen und Mücken)?

Großer Wollschweber (Bombylius major)
Großer Wollschweber (Bombylius major)

Wie der Name verrät, haben alle Zweiflügler nur ein Flügelpaar. Die Hinterflügel sind zu Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, mit denen sich diese Insekten im Flug orientieren. Die Zweiflügler umfassen zwei Unterordnungen: die eher filigranen Mücken, die eine vielgliedrige Antenne besitzen, und die meist robust gebauten Fliegen mit kurzen Antennen. Die klassischen Mücken haben stechen-saugende Mundwerkzeuge mit denen einige Arten gerne auch bei uns Menschen Blut saugen. Die Fliegen besitzen hingegen leckend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie sich vorwiegend von organischen Substanzen ernähren. Unter den Fliegen tragen besonders die Schwebfliegen, die Wespen oftmals zum Verwechseln ähnlichsehen, zur Bestäubung von Blütenpflanzen bei.
Eine besonders im Frühjahr oft zu beobachtende Fliege ist der Große Wollschweber (Bombylius major), den man an seinem goldbraunen Pelz und der dunklen Binde in den Vorderflügeln gut erkennt. Seine Larven entwickeln sich parasitisch in Wildbienennestern, die erwachsenen Wollschweber sieht man oft an bei der Nektaraufnahme vor Blüten schwebend.


... eine Wespe?

Unbestimmte Wespe der Familie Torymidae
Unbestimmte Wespe der Familie Torymidae

Wespen gehören zur Ordnung der Hautflügler, der auch Ameisen und Bienen angehören. Die meisten assoziieren mit „Wespe“ direkt die schwarz-gelb gestreiften Besucher an unserem Kaffeetisch im Sommer. Doch die größte Vielfalt verbirgt sich in einer Gruppe kleiner Wespen mit parasitoider Lebensweise. Diese Erzwespen, die ihren deutschen Namen ihrem metallischen Glanz verdanken, sind selten größer als 5 Millimeter. Als Parasitoide entwickeln sie sich in einem Wirt, den sie zum Abschluss ihrer Entwicklung töten. Was auf den ersten Blick barbarisch wirken mag, ist in der Natur von zentraler Bedeutung. Erzwespen sorgen durch ihre Lebensweise für biologische Kontrolle und verhindern damit, dass die Populationen von Schadinsekten zu groß werden. Damit leisten sie eine ähnliche ökologische Dienstleistung wie die „Echten Wespen“, die andere Insekten erbeuten, um damit ihren Nachwuchs zu ernähren. Übrigens können nur die Weibchen, also Königinnen und Arbeiterinnen der „Echten Wespen“ stechen, die Männchen besitzen überhaupt keinen Stachel. 


... eine Biene?

Bienen gehören zusammen mit Wespen und Ameisen zur Ordnung der Hautflügler. Die meisten Bienen sind anhand ihrer gefiederten Haare einfach zu erkennen. Neben dem Nutztier Honigbiene gibt es in Deutschland 585 Wildbienenarten. Die meisten Wildbienen haben eine solitäre Lebensweise, lediglich die Hummeln und wenige andere Arten sind staatenbildend. Die erwachsenen Bienen ernähren sich von Blütennektar, der die zum Fliegen notwendige Energie liefert. Die Larven sind für ihre Entwicklung auf proteinreichen Pollen angewiesen. Dabei sind olygolektische Bienen - im Gegensatz zu polylektischen Arten – auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzenarten angewiesen. Drei Viertel der heimischen Wildbienen nisten im Boden, lediglich ein kleiner Teil unserer Bienen profitiert von oberirdischen Nisthilfen. Der Verlust an Blütenpflanzen und geeignetem Lebensraum hat in den vergangenen Jahren zu einem besorgniserregenden Rückgang unserer Wildbienen geführt. Heute steht über die Hälfte dieser unersetzlichen Bestäuber auf der Roten Liste gefährdeter Arten. 

Eucera nigrescens, Xylocopa violacea, Andrena  fulva, Andrena cf. flavipes, Osmia cornuta, Bombus terrestris agg., Megachile sp.
Eucera nigrescens, Xylocopa violacea, Andrena fulva, Andrena cf. flavipes, Osmia cornuta, Bombus terrestris agg., Megachile sp.

Bilder und Text: Marina Moser